Die Salomon 4Trails von Garmisch-Partenkirchen nach Samnaun 

Drei Länder, vier Etappen, fünf Orte - eine einzigartige Alpenüberquerung

 

Von Jörg Kappel

 

Nach über einem halben Jahr Vorbereitung mit über 1500 Trainings- und Wettkampfkilometern war es endlich soweit, am 9. Juli fand die Eröffnungsfeier in Garmisch mit dem Einzug der Flaggen der Starter aus 25 Ländern und dem ersten Briefing für die erste von vier Etappen statt. Das Briefing vor jeder Etappe war Pflicht. Die erste Etappe wurde als Einlaufetappe vorgestellt, die zweimal die Höhenmarke von 1600 m überschritt und
mit sechs moderaten Anstiegen das Richtige zum Eingewöhnen sei.

 

10. Juli 2013: 36,3 km mit 2410 Höhenmetern von Garmisch-Partenkirchen nach Ehrwald

 

45 Min vor dem Start erfolgte das Einchecken in die Startboxen, mit Kontrolle der Pflichtausrüstung. Dazu gehörte ein Rucksack mit 1,5 l Flüssigkeit, einem langen Oberteil, Regenbekleidung, Mütze, Handschuhe und einem Erste-Hilfe-Set. Diese Kontrolle wiederholte sich übrigens vor jeder Etappe.

Um 10 Uhr fiel der Startschuss. 503 Starterinnen und Starter machten sich auf den Weg  von Garmisch nach Ehrwald. Das Feld sehr gemischt mit vielen erfahrenen Bergläufern, Ultraläufern und Leidenschaftsläufern. Man hatte kaum die Stadtgrenze erreicht, da war es allen klar, dass es schwer werden würde. Als besonders wichtig stellte sich heraus, dass jeder seine eigene Verpflegung bei sich hatte, da mal eben der erste Verpflegungsstand ausgefallen war. Das bedeutete 20km bis zum ersten Getränk. In den Bergen sind das dreieinhalb Stunden für den "Otto-Normal-Läufer". Sechs Anstiege und am letzten reichte die Kraft kaum mehr zum Marschieren, da musste ich zwischendurch mal stehenbleiben. Dazu kam noch eine richtig rutschige Strecke, bedingt durch ein Gewitter am Vorabend. Es gab viele Stürze im Feld.

 

Das war eine erste Etappe, die den meisten ordentlich Respekt vor dem Rest einflößte. Ich habe den Einstieg in die 4Trails überglücklich und unversehrt geschafft, in 6 Stunden und 32 Minuten. 

11. Juli 2013: 45,3 km mit 2723 Höhenmetern von Ehrwald nach Imst

 

Das Briefing am Vortag versprach gutes Wetter und eine richtig schwere Etappe. Es ging zweimal über 2200 m hinaus, zuerst über die Grünsteinscharte und dann zum Haininger Kreuz. Dazwischen ging es wieder komplett ins Tal auf 900 m hinab, und das alles auf richtig wilden Trails, über Wurzel- und Geröllpfade. Ein besonderes Erlebnis war der Weg über die Grünsteinscharte. Ein wahres Abenteuer war ein richtig steiler Anstieg in einem Schneefeld. Das Ziel erreichte ich gesund aber nicht mehr munter nach 9 Stunden und  9 Minuten. 


12. Juli 2013: 31,1 km mit 1844 Höhenmetern von Imst nach Landeck

 

Diese Etappe war dann mal eben eine "Überführungsetappe" mit weniger Höhenmetern und weniger Kilometern. Es ging "nur" über einen Berg, von 777 m in Imst hinauf auf den Glanderspitz mit 2512 m, und wieder hinunter. Für mich war es aber die schwerste Etappe, erst  rauf, rauf, rauf und das nach der harten zweiten Etappe, und dann begab bei voller Konzentration ohne die Möglichkeit der Entspannung. Im Ziel war ich nach nur 5 Stunden und 45 Minuten mit drei Blasen und einem blauen Zehennagel.

 

13. Juli 2013: 47,0 km mit 2840 Höhenmetern von Landeck nach Samnaun

 

Angespannte Ruhe herrschte beim Start der letzten Etappe um 7 Uhr in der City von Landeck. Jeder hatte ordentlichen Respekt vor der letzten und längsten Etappe. Diese war wegen eines Steinschlags im unteren Teil der Strecke mal eben um 2,5 km verlängert worden. Zum Glück führte der erste Anstieg von 800 m auf über 2400 m in Serpentinen zumeist über Forststraßen. Über der Baumgrenze folgten dann war aber wieder Steine, Geröll und Schneefelder, also das, was einen Hochgebirgslauf ausmacht. Einem Abstieg bis unter 2000 m folgte dann der zweite Aufstieg zum höchsten Punkt der 4Trails, der Ochsenscharte auf 2787 m Höhe mit viel Schnee im Anstieg. Von dort ging es dann mit ständigen Gegenanstiegen hinab nach Samnaun in der Schweiz. Das Ziel erreichte ich nach 9 Stunden und 12 Minuten.

 

Im Ziel

 

Das machte eine Gesamtzeit von 30:39:48,5 Stunden aus, bei zusammen 159,7 km und 9817 Höhenmetern und Platz 217 bei den Herren. Ich habe 20000 kcal verbrannt (und wieder gegessen). Am Ende bekamen 394 Starter und Starterinnen ein Finisher-Shirt.

 

Viele haben sich überschätzt, einige verletzt, bei anderen spielte der Magen nicht mehr mit und manche haben einfach nur aufgegeben. Aber für die meisten war es ein tolles Rennen in den Bergen, das man so schnell nicht vergisst, mit Schnee im Sommer, blauen Bergseen, Trails, über die kaum ein Wanderer läuft und ganz vielen netten Menschen aus aller Welt.

 

Für mich stand von vornherein fest, ohne eine gute Vorbereitung und ohne eine vernünftige Selbsteinschätzung geht das nicht. Und ich habe eine alte Läuferweisheit beherzigt, die da lautet: Nicht die Strecke tötet, sondern das Tempo.